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Dienstleistungsangebote für Kunden
im Pferde haltenden Betrieb

Eine reichhaltige Palette von Dienstleistungsanboten stellten die Referenten Thomas Casper, Gestüt Birkhof Donzdorf, Ulrich Ruopp, seit 35 Jahren Betriebsleiter beim Stuttgarter Reit- und Fahrverein, sowie Helga Podlech vom Islandpferdegestüt Wiesenhof in Marxzell dar. Auf die jeweilige Zielgruppe einzugehen und deren Wünsche zu erahnen, ist das Geheimnis für eine erfolgreiche Kundenbindung über viele Jahre hinweg.

Thomas Casper ließ die Geschichte des Gestüts Birkhof Revue passieren: eine Erfolgsgeschichte. In den letzten Jahrzehnten entwickelte sich der Betrieb vom Schweinehaltungsbetrieb zum bedeutenden Privathengsthalter mit einem Namen weit über die Landesgrenzen hinaus. „Die Kundenbindung erreicht man heute vor allem durch einen umfassenden Service, der mit dem freundlichen Gruß beim Eintreffen der Kunden auf dem Hof beginnt und alle Leistungen um das Pferd umfasst. Mit dem Verkauf des Spermas ist der Service nicht abgeschlossen, sondern dann beginnt er,“ so Casper. Wer seine Stute mit Hengsten des Gestüts decken bzw. besamen lässt, dem wird bei der Vermarktung des Fohlens, dem Anreiten der jungen Remonte sowie bei allen auftretenden Problemen geholfen. Eine umfassende Beratung ist selbstverständlich.

Spezielle Veranstaltungen haben sich im Lauf der Jahre etabliert, so etwa das Fohlenchampionat mit offenem Richten oder das Sommerfest. So ist aus einem Privathengsthalter mit zunächst einem Hengst ein Gestüt geworden, das zahlreiche, auch im Sport hoch erfolgreiche, Hengste sein eigen nennt.

Thomas Casper versäumte nicht, auf ein deutliches Defizit in der Pferdeszene aufmerksam zu machen: Es gibt zu wenig Möglichkeiten, Reiten zu lernen. Er bemängelte, dass dieser Gesichtspunkt von den Reitvereinen vernachlässigt wird. „Wenn wir keine Reiter haben, ist auch die Zahl derer, die uns unsere Pferde abkaufen, zu gering.“ Auch den Standard auf mancher Anlage gelte es zu verbessern, so seien vielfach die Toilettenanlagen in erbärmlichem Zustand. Sich an den Konkurrenzsportarten zu orientieren, wie etwa dem Golfsport, sei dringend geboten.

Der Stuttgarter Reit- und Fahrverein zählt zu den ältesten und größten Pferdesportvereinen des Landes. Der Betriebsleiter Ulrich Ruopp nahm den Ball von Thomas Casper auf und stellte dar, wie Anfänger in Stuutgart die ersten Reitstunden erleben. Man lässt einige Interessenten in einer Kompaktphase die ersten Erlebnisse auf dem Pferderücken sammeln und setzt dabei bewusst auch auf das Phänomen der Gruppenbildung und der damit verbundenen Kameradschaft. In Stuttgart stehen zwei Reithallen zur Verfügung, so dass es nicht zu Problemen zwischen dem Schulbetrieb und den Pensionspferdehaltern kommt.

Das Vereinsleben hat zahlreiche Facetten, so dass für jeden etwas dabei ist. Tradition hat das Musikreiten am Sonntagmorgen genauso wie die Jagden, die Wochenenden mit ausgedehnten Ausritten etwas abseits von Stuttgart, zum Beispiel auf der Alb. Für diejenigen, die nicht zu den Turnierreitern zählen, wird ein Vereinturnier veranstaltet, um nur einige Beispiel zu nennen.

Als Problem schilderte Ruopp die zunehmende Ganztagesbeschulung. Dadurch bleiben auch für Kinder und Jugendliche nur noch der späte Nachmittag und der Abend, um zu reiten. Seine Berufskollegen forderte Ruopp auf, sich eingehend mit der Förderung des Nachwuchses zu beschäftigen. „Die Erteilung von Reitunterricht beginnt an der Basis. Uns dem zu widmen ist unser Hauptgeschäft.“ Für ihn als Betriebsleiter gilt es natürlich, die zahlreichen Mitarbeiter des Vereins anzuleiten und immer wieder aufs Neue zu motivieren. Darüber hinaus ist es wichtig, Ideen zu haben, um dem Vereinsleben immer wieder neue Impulse zu verleihen, denn, so sein Appell an den Berufsnachwuchs: „Wer gut ist, setzt sich durch“.
 

        
 

Etwa 350 Pferde, davon 180 Pensionspferde, stehen auf dem Islandpferdegestüt Wiesenhof. Helga Podlech, ehemals Betriebsleiterin hat die Betriebsführung inzwischen an ihre Söhne abgegeben. Dass sie sich nach wie vor hundertprozentig mit dem Betrieb identifiziert und jeden Tag vor Ort ist, wurde in ihrem Vortrag deutlich.

Die verschiedenen Zielgruppen ganz gezielt anzusprechen, ist wichtig, um Kundenbindung zu erreichen. Islandpferde sind vielseitig verwendbar und genauso vielseitig sollte auch die Angebotspalette sein. Das beginnt mit der Vermittlung der Bodenarbeit an die Kunden und endet mit dem Training für den leistungsorientierten Wettbewerb.

Immer weniger Jungen kommen zu den Pferden. Der Wiesenhof hat das erkannt und bietet ganz gezielte, getrennte Angebote an. „Mädchen wollen eher Zöpfchen flechten, Jungs spielen lieber Cowboy und Indianer. Wir machen immer in der ersten Woche im August ein Angebot nur für Jungs,“ so die Empfehlung von Helga Podlech. „Wir können uns über Nachfrage nicht beklagen.“

Dies alles zu organisieren stellt den Betrieb immer wieder vor neue Herausforderungen. Dabei ist auch die Frage zu bedenken, welche Leistungen im monatlichen Pensionspreis enthalten sein sollen und was dem Kunden gesondert in Rechnung gestellt wird. Die Vorstellung des Pferdes beim Tierarzt etwa ist ein Aufwand, den der Betrieb nicht kostenlos leisten kann.

Illustriert mit zahlreichen Bildern von den liebenswerten Kleinpferden kam auch die Haltung der Pferde zur Sprache. Die Tiere werden während der Aufzucht in großen Herden gehalten, täglich kontrolliert, aber ansonsten leben sie ihre Freiheit aus. Dem entsprechend ist es notwendig, sie immer wieder an den Umgang mit Menschen zu gewöhnen. Für die Besitzer wird dazu jährlich während einer Woche ein entsprechendes Angebot gemacht. Wenn sie dann vierjährig allmählich angeritten werden, sind die Aufzuchtkosten bis dahin überschaubar. Die Ausbildung selbst ist mit erheblichen Personalkosten verbunden, so dass gut ausgebildete Islandpferde im Alter von fünf oder sechs Jahren ihren Preis haben.

Roland Dörr

 
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